Auf einer Wellenlänge
8. Juli 2026
Die erste Spectrum-Sharing-Verbindung zwischen DFN und SURF ist in Betrieb
Gemeinsam mit dem niederländischen Forschungsnetz SURF hat der DFN-Verein Ende Juni die erste von vier geplanten Spectrum-Sharing-Verbindungen erfolgreich in Betrieb genommen. Ziel der beiden Partner ist es, die Resilienz ihrer Peering-Topologie zu erhöhen. Dazu sollen Peering-Standorte im jeweiligen Nachbarland etabliert werden: für SURF in Frankfurt/Main, für den DFN-Verein in Amsterdam. Dabei gewähren sich beide Partner auf ausgewählten Glasfaserstrecken gegenseitig Zugriff auf die eigene Netzinfrastruktur. Das Ergebnis? Höchste Übertragungskapazität bei größtmöglicher Kosteneffizienz. Die direkte länderübergreifende Anbindung mit 800G-Technik besteht nun zwischen den Kernnetzstandorten Hamburg und Amsterdam, in Kürze folgt redundant dazu die Strecke Aachen-Amsterdam. Bis Ende August 2026 sollen die Verbindungen für SURF in Deutschland zwischen Aachen und Frankfurt/Main sowie Frankfurt/Main und Hamburg folgen.
Smart und nachhaltig: das Konzept Spectrum Sharing
Spectrum Sharing bezeichnet ein Betriebs- bzw. Bereitstellungsmodell zur gemeinsamen Nutzung von Wellenlängenspektrum in Glasfasernetzen und eignet sich insbesondere dort, wo mehrere Netzbetreiber eine bestehende Glasfaserinfrastruktur gemeinsam nutzen möchten – ohne auf die Kontrolle über ihre eigene optische Übertragungstechnik zu verzichten. Während beim IP-Peering die Router zweier Netzbetreiber miteinander verbunden werden, koppelt Spectrum Sharing deren jeweilige DWDM-Technik.
Neben der technischen Unabhängigkeit gibt es viele weitere Vorteile: Durch die Nutzung bereits bestehender Glasfaserinfrastrukturen können Ressourcen effizienter und flexibler genutzt werden. Das spart unter Umständen den Bau neuer aufwendiger Standorte mit eigener Technik und senkt dadurch Investitions- und Betriebskosten, insbesondere auf langen oder grenzüberschreitenden Strecken.
Rundum modernisiert: das Technik-Upgrade im X-WiN
Das Wissenschaftsnetz X-WiN, die technische Plattform des DFN, bietet bereits heute sehr gute Voraussetzungen für das Spectrum Sharing – und wird aktuell weiterentwickelt. Notwendig ist insbesondere eine leistungsfähige optische Übertragungstechnik, das sogenannte Line-System der DWDM-Technik: Seit Februar 2026 wird dafür im DFN-Verein das Projekt „All-Coherent“ umgesetzt. Ziel ist es, die Übertragungstechnik für Übertragungskapazitäten je Wellenlänge von 800 Gbit/s und höher zu optimieren. Dafür werden nicht mehr benötigte Komponenten wie die Dispersionskompensationsmodule entfernt und Signalverstärker der neusten Generation sowie an einigen Standorten neue Flex-Grid-fähige Route-and-Select-ROADMs (Rekonfigurierbare Optische Add-Drop-Multiplexer) eingebaut. Bis Ende 2027 soll das gesamte X-Win sukzessive auf diese Technik umgerüstet werden. Der stetig wachsende Datenverkehr – unter anderem durch KI-Anwendungen – erfordert immer leistungsfähigere Übertragungsnetze.
Für die umfangreichen Umbauarbeiten waren bisher bereits mehr als 30 nächtliche Einsätze notwendig, um die Unterbrechungen im X-WiN für teilnehmende Einrichtungen möglichst geräuschlos zu beenden.
Die neue Spectrum-Sharing-Verbindung ergänzt bestehende Übergänge zu nationalen Forschungsnetzen (National Research and Education Networks, NRENs) in den nordischen Ländern über NORDUnet zum polnischen NREN PCSS, zum Schweizer Forschungsnetz SWITCH sowie zum europäischen Forschungsnetz GÉANT. Dieses verbindet die nationalen Forschungsnetze in Europa miteinander und schafft die Anbindung an weltweite Forschungsnetze.
Lesen Sie auch den Artikel „Fit für die Zukunft – Technik-Upgrade im X-WiN“ in der Ausgabe 107 der DFN-Mitteilungen.