Das neue GÉANT Security Innovation Lab startet beim DFN-CERT in Hamburg
Mit der Inbetriebnahme der technischen Infrastruktur beim DFN-CERT steht der europäischen Forschungsnetz-Community eine neue Experimentierplattform für Netzwerksicherheit zur Verfügung.
27. August 2026
Das neue Security Innovation Lab des europäischen Forschungsnetzes GÉANT nimmt seine Arbeit auf: Mit dem Einbau eines leistungsfähigen Core-Routers hat die DFN-CERT Services GmbH die technische Infrastruktur des Labs vervollständigt und erfolgreich in Betrieb genommen. Mit seinen Servern, Security Innovation Lab, Speichersystemen und modernster Netzwerktechnik ist die neue Testumgebung beim Tochterunternehmen des DFN-Vereins in Hamburg angebunden. Der nun installierte Core-Router bildet dabei die zentrale Netzkomponente. Die fertiggestellte Testumgebung ermöglicht High-Speed-Experimente in möglichst realistischen Szenarien.
Das GÉANT Security Innovation Lab wird im Rahmen des von der Europäischen Union geförderten Projekts GN5 Phase 2 entwickelt. Es bündelt Aktivitäten zur Erforschung der Netzwerksicherheit. Partner im Work Package sind neben dem DFN-Verein und dem DFN-CERT als Unterauftragnehmer die Forschungsnetze SWITCH (Schweiz), SURF (University of Twente, Niederlande), CESNET (Tschechien), PCSS (Polen) und Jisc (Vereinigtes Königreich).
Das Lab basiert auf zwei Säulen: einer Community- und Innovationsplattform sowie einem leistungsfähigen physischen Labor als Experimentierumgebung. Als Inkubator für zukunftsweisende Sicherheitsprojekte bringt das Security Innovation Lab Forschende sowie Sicherheitsexpertinnen und -experten zusammen und fördert den fachlichen Austausch innerhalb der Community – Konferenzen wie die TNC oder die GÉANT Security Days bieten vielfältige Möglichkeiten zur Partizipation.
Die physische Testumgebung in Hamburg bietet einen geschützten Bereich, in dem Ideen, Sicherheitslösungen sowie hardwarenahe Forschungs- und Entwicklungsprojekte unter realitätsnahen Bedingungen erprobt werden können. Auch teilnehmende Einrichtungen im DFN-Verein haben die Möglichkeit, sich für die Durchführung von eigenen Experimenten auf der Plattform zu bewerben.
Die technische Infrastruktur
Die technische Infrastruktur des GÉANT Security Innovation Lab orientiert sich an der in produktiven Kernnetzen eingesetzten Hardware. Herzstück des Labs ist ein Nokia-Router, der als sogenanntes „Device Under Test“ dient. Er ist zwischen zwei Virtualisierungsservern mit aktuell jeweils einer 400GE-Anbindung integriert und ermöglicht damit Experimente unter praxisnahen Bedingungen.
Von dieser Testumgebung profitieren bereits erste Forschungsprojekte. Dazu zählt unter anderem ein Experiment zur Abwehr von Distributed-Denial-of-Service-(DDoS)-Angriffen. Die Infrastruktur ermöglicht es, DDoS-Erkennungs- und Mitigationsmechanismen bis an die Grenzen der Router-Leistung zu erproben, ohne den Betrieb produktiver Netze zu gefährden.
Warum Hamburg?
Der Standort Hamburg bietet ideale Voraussetzungen für das GÉANT Security Innovation Lab. Das DFN-CERT bringt mit seiner langjährigen Erfahrung in der Entwicklung und dem Betrieb von Sicherheitsdiensten sowie der erfolgreichen Umsetzung von Forschungsprojekten – darunter NeMo zur Erkennung und Abwehr von DDoS-Angriffen –das notwendige Know-how für den Betrieb einer solchen Experimentierumgebung mit.
Mit der Anbindung an den X-WiN-Kernnetzknoten in Hamburg profitiert das Security Innovation Lab von einem der zentralen Netzübergänge des Wissenschaftsnetzes. Von dort bestehen direkte Verbindungen zum GÉANT-Backbone, zu internationalen Forschungsnetzen sowie über Internet-
Austauschpunkte wie den DE-CIX in Hamburg und Frankfurt zu gewerblichen Internet-Service-Providern. Dadurch können komplexe Verkehrsströme und Netzwerkszenarien simuliert und neue Sicherheitsverfahren unter Bedingungen erprobt werden, die produktiven Weitverkehrsnetzen möglichst nahekommen.
Ausblick
Die technische Infrastruktur des GÉANT Security Innovation Lab wird kontinuierlich weiter ausgebaut. Geplant ist unter anderem die Bereitstellung von KI-Kapazitäten, um den Einsatz großer Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs) in der Netzwerkforschung zu ermöglichen. Darüber hinaus soll eine neue Generation programmierbarer P4-Switches bereitgestellt werden. Sie ermöglichen es, die Verarbeitung von Netzwerkpaketen flexibel zu programmieren und neue Netzwerkfunktionen direkt in der Datenebene zu erproben.
Weitere Informationen zum GÉANT Security Innovation Lab nebst Kontaktformular finden Sie auf der Webseite.
GN5-2 wird im Rahmen des EU-Forschungs- und Innovationsprogramms Horizon Europe unter der Fördervereinbarung (Grant Agreement) Nr. 101194278 gefördert. Das 30-monatige Projekt startete am 1. Januar 2025 und endet am 30. Juni 2027.