Die Kunst des steten Wandels
Seit dem 1. Oktober 2025 ist Alina Hain neu in der Geschäftsführung des DFN-Vereins. Mit ihren Erfahrungen, einem frischen Blick und klaren Ideen möchte sie die Entwicklung des Vereins und der Geschäftsstelle aktiv mitgestalten. Im Interview spricht sie darüber, was sie antreibt, welche Themen ihr am Herzen liegen und wie sie jenseits des Schreibtischs auftankt.
7. Januar 2026
Im Mai haben Sie Ihre Arbeit beim DFN-Verein aufgenommen, seit Oktober sind Sie offiziell neue Geschäftsführerin. Wie blicken Sie auf die ersten Monate zurück?
Der DFN-Verein zeichnet sich durch seine gute Unternehmenskultur aus. Schon in der Stellenausschreibung wurde viel Wert auf kollegiales und respektvolles Miteinander gelegt. Das zeigte sich auch im Vorstellungsgespräch und den weiteren Gesprächen mit dem Vorstand, der Geschäftsführung und den Bereichsleitungen. Wie gut die Arbeitsatmosphäre aber tatsächlich ist und wie sehr die positive Unternehmenskultur auch praktisch gelebt wird, durfte ich in den vergan genen Monaten selbst erleben. Ich habe mich von Anfang an willkommen gefühlt.

Bereit für neue Impulse: Alina Hain setzt auf Werte und Miteinander.
Um mein zukünftiges Arbeitsumfeld besser kennenzulernen, nehme ich bereits seit Mai an allen Gremiensitzungen des Vereins teil. Momentan führe ich Gespräche mit Mitarbeitenden der Geschäftsstelle. Selten habe ich in meiner Berufskarriere so viele Menschen getroffen, die sich seit Jahrzehnten beim gleichen Verein so aktiv einbringen oder beim selben Arbeitgeber tätig sind und ihr Engagement oder ihre Arbeit immer noch als Privileg empfinden. Das macht den DFN-Verein aus.
Was hat Sie an der Position angesprochen?
Als ich die Stellenausschreibung sah, habe ich zunächst gezögert, bevor ich mich beworben habe, da ich mir nicht sicher war, ob mein und das DFN-Profil optimal zueinander passen.
Wie eben schon gesagt, die wertebasierte Unternehmenskultur, der so viel Platz in der Stellenausschreibung eingeräumt wurde, hat mich letztendlich überzeugt, meine Bewerbung abzugeben. Denn wenn das Arbeitsumfeld und die Zusammenarbeit stimmen, dann macht die Arbeit nicht nur viel mehr Spaß, sondern führt auch zu besseren Ergebnissen. Die Frage, wie ich arbeiten möchte, spielt für mich mit der Zeit eine immer größere Rolle.
Ich greife die Frage auf. Wie möchten Sie denn arbeiten?
Auf jeden Fall werteorientiert – das bedeutet unter anderem, dass durch die vertrauensvolle Zusammenarbeit jede Person ihren Aufgabenbereich mitgestalten kann. Und ich möchte gestalten.
Auch wenn ich selbst Juristin bin, mag ich Überregulierung überhaupt nicht, die dadurch entsteht, dass auch die kleinsten Risiken möglichst rechtlich abgesichert werden sollen.
Ich freue mich sehr darauf, die Abläufe in der Geschäftsstelle weiter zu strukturieren, damit die Arbeit effektiver und einfacher sowohl für alle Mitarbeitenden als auch für die an den DFN-Diensten teilnehmenden Einrichtungen wird.
Da ist auch schon vieles passiert in den vergangenen Jahren, an das ich gut anknüpfen kann. Meine Maxime ist, dass Prozesse in der Handhabung so einfach wie möglich sein sollen. Auch wenn ich selbst Juristin bin, mag ich Überregulierung überhaupt nicht, die dadurch entsteht, dass auch die kleinsten Risiken möglichst rechtlich abgesichert werden sollen. Ich bin ein Mensch, der gut die Balance halten kann zwischen sinnvollen Lösungen und dem, was rechtlich unbedingt notwendig ist.
Beim DFN-Verein sehe ich mich als Vermittlerin zwischen den technischen und administrativen Zwängen. Das ist meiner Erfahrung nach eine Schnittstelle, die oft Reibung erzeugt und von beiden Seiten manchmal als einschränkend empfunden wird. Hier möglichst gute und pragmatische Lösungen zu finden, die keinen der Bereiche in ihrer eigentlichen Arbeit behindern, ist mein Ziel.

Gut angekommen: Alina Hain spricht über Willkommenskultur, Erfahrungen und ihr ganz persönliches Motto
Sie haben eben gesagt, dass Sie sich als Vermittlerin sehen. Wie passen Sie von Ihrer Persönlichkeit her zu dieser Aufgabe?
Mir ist es wichtig, Argumente nachvollziehen zu können sowie Gründe und Bedürfnisse, die dahinterstehen, zu verstehen. Erst dann ist es möglich, sachlich gute Lösungen zu entwickeln. Früher habe ich dazu tendiert, meine eigene Position als Basis für Entscheidungen zu nehmen. Heute – sei es dem Alter oder der Berufserfahrung geschuldet – achte ich viel mehr darauf, was mein Gegenüber zu sagen hat. Gemeinsam getragene Entscheidungen sind in der Regel besser als die Entscheidung einer einzelnen Person, auch wenn diese Spezialistin oder Spezialist auf ihrem Gebiet sein mag. Dazu gibt es sogar wissenschaftliche Untersuchungen.
Seit seiner Gründung hat der DFN-Verein eine Doppelspitze in der Geschäftsführung. Was sind aus Ihrer Sicht die Vorteile?
Ich finde es extrem gut, dass Christian Grimm und ich zu zweit die Position gemeinsam übernehmen. Wir haben noch dazu das Glück, dass wir seinen technischen und meinen administrativen beruflichen Background einbringen und darum Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten können. Ich bin der Überzeugung, dass wir dadurch die Vermittlungsposition zwischen der technischen und administrativen Welt gemeinsam exzellent ausgestalten können. Wenn zwei Menschen die Köpfe zusammenstecken, wird das Ergebnis
immer besser sein, als wenn nur eine Person Entscheidungen trifft – gerade bei so verantwortungsvollen Tätigkeiten.
Alina Hain | Studium Rechtswissenschaften Europa-Universität Viadrina, Adam-Mickiewicz-Universität Poznan´ | 1998–2000 Juristin Rechtsanwaltskanzlei Wittemöller Radack & Partner |2000–2002 Rechtsreferendariat des Landes Brandenburg (Volljuristin) | 2002–2006 Projektleiterin Industrieund Handelskammer Ostbrandenburg | 2006–2011 Leiterin Gründungsförderung Freie Universität Berlin | 2010–2011 Betriebswirtschaftslehre und Betriebliches Management (MBA) FernUniversität in Hagen | 2011–2016 Referentin Ministerium für Wirtschaft und Europaangelegenheiten des Landes Brandenburg | 2016–2018 Verwaltungsleiterin Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) | 2018–2022 Verwaltungsleiterin und Vorstandsmitglied Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) | 2022–2025 Geschäftsführerin (COO) Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) GmbH | seit Oktober 2025 Geschäftsführerin im DFN-Verein
Was charakterisiert den DFN-Verein aus Ihrer Sicht?
Der Aufbau des Vereins und die Governance-Strukturen sind aus meiner Sicht etwas Besonderes. Da wurde bei der Gründung wirklich gute Arbeit geleistet. Die verschiedenen Gremien und Veranstaltungsformate, mit denen die große Wissenschaftscommunity so gut eingebunden ist, sorgen dafür, dass wir technisch am Puls der Zeit bleiben, die Entwicklungen kennen, die unsere Mitglieder antreiben, und ihre Wünsche verstehen – das ist einmalig.
Das mit der ganzen Welt verbundene leistungsstarke Wissenschaftsnetz mit seinen Diensten ist das Alleinstellungsmerkmal des DFN-Vereins. Diese besondere Infrastruktur halten wir nicht nur aufrecht, sondern verbessern sie stetig und passen sie an die relevanten Entwicklungen und Trends an.
Denn unsere Aufgabe ist es, unseren Mitgliedern und teilnehmenden Einrichtungen das zu geben, was sie brauchen – und ihnen dabei vielleicht auch zwei Schritte voraus zu sein, damit sie sicher sein können, dass sie durch den Bezug der DFN-Dienste auch mit dem stetigen Wandel mithalten.
Hatten Sie vorher schon Berührungspunkte mit dem DFN-Verein?
Alle drei Einrichtungen, die ich in den letzten neun Jahren mitgeleitet habe, beziehen die DFN-Dienste. Daher kannte ich den DFN-Verein schon vorher als einen verlässlichen IT-Dienstleister. In einer dieser Einrichtungen hatten wir seinerzeit einen Notfall: Bei einem Brand im Serverraum wurden alle Strom- und Datenleitungen zerstört. Die gesamte IT-Infrastruktur fiel aus. Durch die schnelle und professionelle Unterstützung des DFN-Vereins konnten wir in kürzester Zeit wieder an das Wissenschaftsnetz angeschlossen werden und den Anschluss zusätzlich zuverlässiger – weil georedundant – aufbauen.
Haben Sie ein persönliches Motto, das Sie durchs Leben trägt?
Mein Motto ist die Kunst des steten Wandels – sowohl privat als auch beruflich. Große disruptive Veränderungen insbesondere im Berufsleben sind meiner Erfahrung nach selten von Erfolg gekrönt. Sich konsequent immer wieder neu zu orientieren und so den Wandel Schritt für Schritt zu meistern, ohne dabei das Ziel aus den Augen zu verlieren – das ist eine echte Kunst, denn sie erfordert Geduld und Beharrlichkeit. Veränderungen mit der Brechstange durchzusetzen, bringt dagegen viel Unruhe und Missmut.
Was hilft Ihnen, nach einem langen Arbeitstag den Kopf freizubekommen?
Ich mache Sport, tanze gerne und lese viel. Aber am liebsten bin ich in der Natur. Wenn ich im Wald bin, fühle ich mich frei und bin ganz bei mir. Das macht mich einfach glücklich.
Das Gespräch führte Maimona Id (DFN-Verein) | Alle Fotos: Jürgen Aloisius Morgenroth